
Als ich begann, meiner Wahrnehmung zu vertrauen
Lange Zeit konnte ich nicht erklären, warum ich manche Dinge spüre, bevor sie ausgesprochen werden.
Der Moment, in dem ich begann, mich intensiver mit diesem Thema zu beschäftigen, ereignete sich während meiner Zeit im Außendienst in Köln.
Gemeinsam mit einem Kollegen war ich zu einem Termin unterwegs. Wir trafen uns mit einer Außendienstmitarbeiterin, die mein Kollege bereits von früher kannte. Wir saßen draußen an einem großen runden Tisch. Mein Kollege und die Dame saßen mir gegenüber.
Während des Gesprächs fiel mir auf, dass sie sich eine Zigarette nach der anderen anzündete. Ihre Hände zitterten leicht, sobald sie mit meinem Kollegen sprach.
Ich dachte zunächst nur:
„Da ist etwas sehr Emotionales im Gang.“
Doch plötzlich begann mein Herz ungewöhnlich stark zu schlagen. Zuerst konnte ich dieses Gefühl überhaupt nicht einordnen. Ich wurde still und beobachtete weiter.
Dann verstand ich, was mich so irritierte.
Es fühlte sich an, als würde ich die starke Aufregung und Anspannung dieser Frau körperlich wahrnehmen. Die Energie am Tisch veränderte sich spürbar. Ihre Nervosität war für mich beinahe greifbar geworden.
Nach diesem Erlebnis war ich zunächst sehr ruhig. Ich hatte so etwas in dieser Intensität noch nie erlebt.
Erst später begann ich mich mit dem Thema Hochsensibilität und Wahrnehmung auseinanderzusetzen.
Heute weiß ich, dass ich Stimmungen oft sehr schnell wahrnehme. Ich betrete einen Raum und habe manchmal unmittelbar das Gefühl, dass etwas nicht stimmt. Häufig zeigt sich später, dass Spannungen, Konflikte oder unausgesprochene Themen vorhanden waren.
Für mich bedeutet Spiritualität nicht, alles erklären zu können.
Für mich bedeutet sie, aufmerksam zu sein.
Dem Bauchgefühl zuzuhören.
Wahrzunehmen, was zwischen den Worten geschieht.
Und Kopf und Bauch miteinander in Einklang zu bringen.
Denn die besten Entscheidungen meines Lebens habe ich getroffen, wenn beide zusammengearbeitet haben.

Gefühl oder Grenze? Oder beides?
Viele Jahre dachte ich, ich müsste mich entscheiden.
Zwischen Herz und Verstand.
Zwischen Mitgefühl und Abgrenzung.
Zwischen Helfen und Loslassen.
Heute weiß ich:
Ein Herz zeigt, was wir fühlen.
Ein Handschuh zeigt, wo Schluss ist.
Wer ständig über seine eigenen Grenzen geht, verliert sich selbst.
Wer seine Grenzen kennt, kann mit offenem Herzen durchs Leben gehen.
Genau dort – zwischen Kopf und Bauch, Gefühl und Grenze – begann meine eigene Reise.
Der Ring lügt nicht.